Windows startet nicht mehr? Daten mit Linux Mint retten – Schritt-für-Schritt-Anleitung
Stand: August 2026 · Wenn Windows nicht mehr startet, können persönliche Dateien trotzdem noch auf dem Laufwerk liegen. Ein Linux-Mint-Live-System lässt sich von einem USB-Stick ausprobieren, ohne Linux zu installieren. Kopiere damit nur lesbare Dateien auf ein anderes Laufwerk – und stoppe bei Verschlüsselung, Laufwerksfehlern oder ungewöhnlichen Geräuschen.
Soforthilfe: Erst Schaden vermeiden
- Nicht zurücksetzen, neu installieren oder formatieren. Jeder Schreibvorgang kann Daten überschreiben.
- Prüfe mit Windows startet nicht, ob ein einfacher, datenfreundlicher Startweg hilft.
- Bei Klick-, Schleif- oder wiederkehrenden Anlaufgeräuschen: Gerät ausschalten und professionelle Datenrettung erwägen.
- Besorge einen zweiten funktionierenden Computer, einen USB-Stick für Linux Mint und ein separates Sicherungslaufwerk.
- Prüfe vorab, ob BitLocker aktiv sein könnte und ob der Wiederherstellungsschlüssel verfügbar ist.
- Starte Linux Mint ausdrücklich im Ausprobiermodus. Klicke nicht auf „Install Linux Mint“.
Grenze dieser Methode: Sie hilft nur, wenn das interne Laufwerk technisch lesbar und nicht unzugänglich verschlüsselt ist. Sie repariert Windows nicht und ersetzt keine professionelle Datenrettung.
Was du benötigst
- einen funktionierenden PC mit Internetzugang
- einen leeren USB-Stick mit mindestens 8 GB; er wird beim Erstellen gelöscht
- eine externe Festplatte oder einen zweiten ausreichend großen USB-Datenträger als Ziel
- Zeit und eine stabile Stromversorgung
- bei Geräteverschlüsselung den passenden BitLocker-Wiederherstellungsschlüssel
Das Ziellaufwerk muss genug freien Platz haben. Verwende es nicht als Linux-Startmedium. Wenn die Daten besonders wichtig sind und kein zweites Exemplar existiert, ist ein professionelles Abbild des Laufwerks sicherer als wiederholte Eigenversuche.
1. Linux Mint nur von der offiziellen Seite laden
- Öffne die offizielle Linux-Mint-Downloadseite.
- Wähle bei Unsicherheit die Cinnamon-Ausgabe. Für die Datenkopie genügt auch eine andere aktuelle Ausgabe.
- Lade die ISO-Datei von einem angegebenen Spiegelserver.
- Prüfe mindestens die SHA-256-Prüfsumme. Die Linux-Mint-Anleitung beschreibt zusätzlich die Signaturprüfung, mit der sich die Echtheit bestätigen lässt.
Stimmt die Prüfsumme nicht, verwende die ISO-Datei nicht und lade sie erneut herunter.
2. Startfähigen USB-Stick erstellen
Die offizielle Linux-Mint-Anleitung empfiehlt unter Windows, macOS und anderen Linux-Systemen balenaEtcher. Prüfe vor dem Schreiben zweimal, welches Laufwerk der USB-Stick ist: Der ausgewählte Datenträger wird überschrieben.
- Starte Etcher und wähle die geprüfte Linux-Mint-ISO.
- Wähle ausschließlich den leeren USB-Stick als Ziel.
- Starte den Schreibvorgang und warte auf Abschluss und Prüfung.
- Wirf den Stick danach sicher aus.
3. Den defekten PC vom USB-Stick starten
- Schließe den Linux-Mint-Stick an den ausgeschalteten PC an.
- Schalte ihn ein und öffne sofort das Bootmenü. Die Taste hängt vom Hersteller ab, häufig sind es Esc, F9, F10, F11 oder F12.
- Wähle den USB-Stick im Bootmenü. Ändere die dauerhafte Startreihenfolge nur, wenn das Bootmenü nicht verfügbar ist und du die Änderung später zurücksetzen kannst.
- Wähle im Linux-Mint-Menü den normalen Start. Klicke auf dem Desktop nicht auf „Install Linux Mint“.
Deaktiviere Secure Boot nicht pauschal. Aktuelle Linux-Mint-Abbilder können je nach Gerät im UEFI-Modus starten. Wenn der Stick nicht erscheint, prüfe zuerst Herstelleranleitung, anderen USB-Anschluss und die Erstellung des Mediums. Änderungen an UEFI- oder BitLocker-relevanten Einstellungen können einen Wiederherstellungsschlüssel auslösen.
4. Quell- und Ziellaufwerk sicher unterscheiden
Öffne im Live-System den Dateimanager. Links erscheinen interne und externe Datenträger meist mit Bezeichnung und Größe. Schließe jetzt das separate Sicherungslaufwerk an und vergleiche die Kapazitäten.
- Quelle: das interne Windows-Laufwerk; dort nichts löschen, umbenennen oder verschieben.
- Ziel: die externe Festplatte oder der zweite USB-Datenträger; dort legst du einen neuen Ordner für die Rettung an.
- Linux-Mint-Stick: ist weder Quelle noch Sicherungsziel.
Wenn du die Laufwerke nicht eindeutig unterscheiden kannst: Stoppe. Eine Verwechslung kann genau die Daten überschreiben, die du retten möchtest.
5. Persönliche Dateien kopieren
Auf einer typischen Windows-Installation liegen persönliche Dateien unter Users → dein Benutzerordner. Sichere zuerst unersetzliche Inhalte wie Dokumente, Bilder, Desktop-Dateien und Projektordner. Prüfe bei Cloud-Ordnern, ob Dateien wirklich lokal vorhanden sind; reine Platzhalter enthalten ohne Cloud-Anmeldung möglicherweise keine Nutzdaten.
- Erstelle auf dem Ziellaufwerk einen Ordner mit Datum und Gerätename.
- Markiere auf dem Windows-Laufwerk einen überschaubaren Ordner.
- Wähle Kopieren, nicht Ausschneiden oder Verschieben.
- Füge ihn auf dem Ziellaufwerk ein und warte auf Abschluss.
- Öffne stichprobenartig mehrere kopierte Dateien vom Ziellaufwerk.
- Arbeite Ordner für Ordner weiter und notiere Fehlermeldungen.
Öffne keine verdächtigen Programme vom Windows-Laufwerk. Wenn ein Malwarebefall möglich ist, prüfe die geretteten Dateien später auf einem geschützten System.
BitLocker, Ruhezustand und Lesefehler
- BitLocker: Ein verschlüsseltes Laufwerk ist ohne passenden Schlüssel nicht normal lesbar. Microsoft kann einen verlorenen Schlüssel nicht neu erzeugen. Suche ihn über ein anderes Gerät im Microsoft-, Arbeits- oder Schulkonto beziehungsweise in deinen Unterlagen.
- Laufwerk wird nur schreibgeschützt eingebunden: Das ist für eine Rettung in Ordnung, solange du Dateien auf ein anderes Laufwerk kopieren kannst.
- Hinweis auf Ruhezustand oder „unsafe state“: Erzwinge kein beschreibbares Einbinden und verwende keine Reparaturbefehle auf Verdacht.
- Dateien verschwinden, Kopien brechen ab oder das Laufwerk trennt sich: Stoppe wiederholte Versuche; ein Hardwareproblem ist möglich.
6. Sicher beenden und Ergebnis prüfen
- Schließe alle Dateifenster und warte, bis Kopiervorgänge beendet sind.
- Wirf das Sicherungslaufwerk über das Auswerfen-Symbol aus.
- Fahre Linux Mint über das Menü herunter.
- Entferne den Linux-Mint-Stick erst nach Aufforderung oder nach dem Ausschalten.
- Prüfe das Sicherungslaufwerk an einem funktionierenden, geschützten PC.
- Erstelle von wichtigen geretteten Daten möglichst noch eine zweite Kopie.
Erst wenn die Sicherung geprüft ist, entscheidest du über Windows-Reparatur, Zurücksetzen oder Neuinstallation. Eine dauerhafte Backup-Strategie erklärt Datensicherung und Wiederherstellung.
Sofort professionelle Hilfe erwägen
- Das Laufwerk klickt, schleift, wird sehr heiß oder läuft ständig neu an.
- Es wird weder im UEFI noch im Live-System zuverlässig erkannt.
- Die Daten sind geschäftskritisch oder unersetzlich.
- Das Laufwerk ist verschlüsselt und der Schlüssel fehlt.
- Du bist dir bei Quelle, Ziel oder Bootmedium nicht sicher.