Identitätsdiebstahl – was tun?
Stand: August 2026 · Bei Identitätsdiebstahl verwenden andere deine persönlichen Daten oder übernehmen ein Konto, um sich als du auszugeben, Verträge abzuschließen, Bestellungen aufzugeben oder Geld zu erlangen. Handle nach dem konkreten Missbrauch – nicht nach einer pauschalen Checkliste.
Soforthilfe: Die ersten sechs Schritte
- Stoppe laufenden finanziellen Missbrauch. Informiere Bank, Kartenanbieter oder Zahlungsdienst über offizielle Kontaktdaten.
- Sichere das wichtigste betroffene Konto. Beginne häufig beim E-Mail-Konto, weil darüber weitere Passwörter zurückgesetzt werden können.
- Beende unbekannte Sitzungen und entferne fremde Geräte, Wiederherstellungsdaten, Weiterleitungen und verbundene Apps.
- Sichere Beweise. Speichere Nachrichten, Rechnungen, Vertragsdaten, Links, Zeitpunkte und Screenshots, ohne verdächtige Anhänge zu öffnen.
- Widersprich unberechtigten Forderungen schriftlich und bitte Anbieter um Sperrung oder Stornierung.
- Erstatte Anzeige, besonders bei finanziellem Schaden, missbrauchten Ausweisdaten, Verträgen oder wiederholtem Auftreten.
Wichtig: Überweise nicht vorschnell Geld an Mahnende und ignoriere echte Schreiben ebenso wenig. Bestreite die Forderung nachvollziehbar, verlange Belege und dokumentiere jeden Kontakt.
Welche Art von Identitätsmissbrauch liegt vor?
Ein bestehendes Onlinekonto wurde übernommen
Ändere das Passwort über die echte App oder selbst aufgerufene Website. Melde alle Sitzungen ab, prüfe verbundene Geräte und aktiviere Zwei-Faktor-Authentifizierung oder einen Passkey. Wenn du keinen Zugriff mehr hast, nutze ausschließlich die offizielle Kontowiederherstellung des Anbieters.
Für die Priorisierung hilft Konto gehackt – was tun?. Wurde dein E-Mail-Postfach übernommen, sichere es zuerst, weil es oft der Schlüssel zu anderen Konten ist.
In deinem Namen wurde bestellt oder ein Vertrag abgeschlossen
Kontaktiere Verkäufer, Plattform oder Vertragspartner über unabhängig ermittelte Kontaktdaten. Teile mit, dass du die Bestellung oder den Vertrag nicht veranlasst hast. Verlange eine Sperrung des missbrauchten Kontos, eine Stornierung und eine schriftliche Bestätigung. Sichere Bestellnummern, Lieferadressen und Mahnungen.
Bankkonto, Karte oder Zahlungsdienst ist betroffen
Lass gefährdete Zugänge oder Karten sofort sperren. Prüfe die letzten Umsätze und melde unbekannte Transaktionen. Frage den Anbieter nach dem formellen Reklamationsweg und notiere Vorgangsnummer, Zeitpunkt und Ansprechpartner.
Ein fremdes Profil gibt sich als du aus
Dokumentiere Profiladresse, Nutzername, Inhalte und Kontaktversuche. Melde das Profil bei der Plattform wegen Identitätsmissbrauchs und bitte um Prüfung. Warne dein Umfeld über einen anderen, vertrauenswürdigen Kanal, damit niemand auf Geldforderungen oder Links reagiert.
Ausweis- oder Meldedaten wurden missbraucht
Dokumentiere genau, welche Kopie oder welche Daten betroffen sein könnten und wer sie erhalten hat. Erstatte Anzeige bei konkretem Missbrauch. Frage die zuständige Ausweisbehörde beziehungsweise Polizei, ob und welche Sperr- oder Ersatzmaßnahmen in deinem Fall erforderlich sind. Veröffentliche die betroffene Ausweiskopie nicht als Beweis.
Konten in der richtigen Reihenfolge absichern
- E-Mail-Konto und Passwortmanager
- Bank, Karten und Zahlungsdienste
- Mobilfunkkonto und wichtige Wiederherstellungsnummern
- Shopping-, Cloud- und Social-Media-Konten
- Weitere Konten mit demselben oder einem ähnlichen Passwort
Verwende für jeden Dienst ein neues, einzigartiges Passwort. Eine Anleitung bietet Sichere Passwörter erstellen. Ergänze den Schutz mit Zwei-Faktor-Authentifizierung oder Passkeys.
Beweise sichern, ohne zusätzlichen Schaden zu verursachen
- Notiere eine kurze Zeitleiste: Was ist wann aufgefallen, wen hast du wann informiert?
- Speichere Schreiben, Kontoauszüge, Bestellbestätigungen, Absenderdaten und vollständige Webadressen.
- Erstelle Screenshots so, dass Datum, Nutzername und relevanter Zusammenhang erkennbar sind.
- Bewahre Originalnachrichten auf; öffne keine verdächtigen Anhänge nur zur Beweissicherung.
- Notiere Vorgangs-, Sperr- und Anzeigenummern.
- Teile Beweise nur mit zuständigen Stellen und schwärze unnötige Daten bei Kopien.
Wann Polizei und weitere Stellen wichtig sind
Eine Anzeige ist besonders sinnvoll, wenn Geld verloren ging, Verträge oder Bestellungen in deinem Namen entstanden sind, Ausweisdaten missbraucht wurden, jemand dich bedroht oder der Missbrauch wiederkehrt. In vielen Bundesländern kannst du eine Onlinewache nutzen; bei akuter Gefahr rufst du die Polizei.
Bei unberechtigten Forderungen oder komplexen Vertragsfolgen kann zusätzlich unabhängige Verbraucher- oder Rechtsberatung helfen. AskAlex kann technische Sofortmaßnahmen erklären, aber keine individuelle Rechtsberatung ersetzen.
So verringerst du das Risiko künftig
- Prüfe Kontoumsätze und Sicherheitshinweise regelmäßig.
- Gib Ausweiskopien nur weiter, wenn sie wirklich erforderlich sind, und kennzeichne Kopien nach Möglichkeit mit Zweck und Datum.
- Veröffentliche Adresse, Geburtsdatum und andere Identitätsmerkmale nicht unnötig.
- Reagiere auf Phishing nicht aus Zeitdruck; mehr dazu unter Phishing erkennen und vermeiden.
- Achte auf gefälschte Stimmen oder Videos und verifiziere Geldbitten über einen zweiten Kanal; siehe Deepfakes erkennen.